Vier Belagerungen – Landau im Spanischen Erbfolgekrieg

Das wenige Jahre zuvor zu einer modernen Festung ausgebaute Landau stand im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1713/14) gleich mehrmals im Brennpunkt des Kriegsgeschehens am Oberrhein. Zwischen 1702 und 1713, in dem kurzen Zeitraum von nur zwölf Jahren, hatte die Stadt vier Belagerungen zu erdulden, von denen neben den kämpfenden Truppen natürlich auch die zivilen Stadtbewohner in vielfältiger Weise betroffen waren. Mit Blick auf diese ungewöhnliche Häufung spricht der Historiker Emil Heuser in seinem 1894 erschienenen Grundlagenwerk nicht zu Unrecht von einer „in der ganzen Weltgeschichte vereinzelt dastehenden Erscheinung“.
Am 1. November 1700 verstarb im Alcázar von Madrid erst 38-jährig und kinderlos der letzte spanische Habsburger Karl II., dessen Ableben man an den europäischen Höfen schon lange erwartet hatte. Spaniens große Zeit war zwar längst vorüber, doch die zu verteilende Erbmasse war immer noch gewaltig: Zur spanischen Monarchie gehörten neben Unteritalien mit Sizilien und Sardinien auch das Herzogtum Mailand sowie die Spanischen Niederlande und das riesige Kolonialreich in Mittel- und Südamerika.
Dieses Erbe beanspruchte Kaiser Leopold I. (1658-1705) als Haupt der österreichischen Habsburger für seinen zweiten Sohn, Erzherzog Karl. Der verstorbene Karl II. hatte jedoch Philipp von Anjou, den Enkel Ludwigs XIV., zum Erben eingesetzt. Wie zu erwarten gewesen war, verweigerte der Wiener Kaiserhof dem Testament Karls II. unter Hinweis auf die natürlichen Verwandtschaftsrechte und österreichisch-spanische Familienverträge die Anerkennung. Der alte habsburgisch-bourbonische Gegensatz, der die Geschichte Europas seit den Tagen Karls V. im 16. Jahrhundert maßgeblich mitgeprägt hatte, strebte einem neuen Höhepunkt zu. Auch den anderen Mächten konnte die zur Klärung anstehende Frage nicht gleichgültig sein: Die Vereinigung des spanischen Kolonialreiches mit der französischen Wirtschaftsmacht hätte die Vorherrschaft des englischen und holländischen Handels beseitigt.
Da Ludwig XIV. wusste, dass sowohl die Annahme als auch die Ablehnung des spanischen Erbes zum Krieg führen konnten, zögerte er; sein Land war noch von den vorangegangenen Waffengängen erschöpft. Eine Ablehnung kam aber letztlich nicht in Frage. Sie hätte nicht nur seiner Auffassung von monarchischer Ehre, sondern auch den Interessen Frankreichs widersprochen.
Am 18. Februar 1701 zog der Enkel Ludwigs XIV. als Philipp V. in Madrid ein. Wenig später besetzten französische Truppen Teile der Spanischen Niederlande sowie Mailand und Mantua; der noch unerklärte Krieg hatte begonnen. Im September 1701 schlossen sich der Kaiser und die Seemächte England und Holland in der Haager Großen Allianz gegen Frankreich zusammen. Was die Vertragspartner trotz unterschiedlicher Zielsetzungen einte, war die Furcht vor einer bourbonischen Hegemonie in Europa, die es unter allen Umständen zu verhindern galt.
Mit dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern gewann auch Ludwig XIV. einen wichtigen Verbündeten: Die bayerische „Diversion“ sollte die kaiserlichen Truppen binden, Österreich selbst bedrohen und ein gemeinsames Vorgehen der Verbündeten auf dem holländischen Kriegsschauplatz verhindern. Der Bruder Max Emanuels, Joseph Clemens, Kurfürst und Erzbischof von Köln, öffnete den Truppen des Sonnenkönigs seine Festungen, wodurch die französische Position am Niederrhein beträchtlich verstärkt wurde.
Zeitgleich koordiniert erfolgten am 15. Mai 1702 die Kriegserklärungen Österreichs, Englands und der Vereinigten Niederlande an Ludwig XIV. und seinen als „Herzog von Anjou“ titulierten Enkel, die am 9. Juni bzw. 2. Juli durch die spanischen und französischen Kriegserklärungen beantwortet wurden.

Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, der „Türkenlouis“ (1655-1707), leitete die beiden Belagerungen Landaus durch die Kaiserlichen 1702 und 1704.

Die europäische Dimension des Spanischen Erbfolgekrieges spiegelt sich darin, dass er auf mehreren Schauplätzen gleichzeitig ausgefochten wurde. Gekämpft wurde am Oberrhein und in Süddeutschland, auf der Apenninenhalbinsel, in den Niederlanden und in Spanien sowie auf den Meeren und in den Kolonien, so dass in Ansätzen von einem ersten „Weltkrieg“ gesprochen werden kann. Neu war auch die Größe der beteiligten Heere. Frankreich, die stärkste Militärmacht Europas, verfügte bei Kriegsbeginn über 200.000 Mann. Die habsburgischen Mannschaftszahlen bewegten sich auf deutlich niedrigerem Niveau, konnten während des Krieges aber immerhin auf 130.000 Soldaten angehoben werden.
Auf Reichsebene hatte sich der Kaiser frühzeitig bemüht, die armierten Stände, also diejenigen Fürsten, die über ein stehendes Heer verfügten, auf seine Seite zu ziehen. Ein wichtiger Erfolg war dabei der Gewinn Brandenburg-Preußens; ihre schon damals sprichwörtliche militärische Tüchtigkeit stellten die Preußen während der Belagerung des Jahres 1704 auch vor Landau unter Beweis.
Im Frühjahr 1702 zeichnete sich immer deutlicher ab, dass die Kaiserlichen den Feldzug am Oberrhein mit einem Angriff auf Landau eröffnen wollten. Unter dem Kommando des Markgrafen von Baden formierte sich auf dem rechten Rheinufer das Reichsheer in einer Stärke von etwa 50.000 Mann Infanterie und 20.000 Mann Kavallerie. Bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft dieser Truppen wurden linksrheinische Sperrlinien angelegt, die sich entlang des Speyerbachs von Neustadt bis nach Speyer zogen. Bei der Auswahl des Angriffsziels hatte man im Wiener Hofkriegsrat zunächst noch zwischen Landau und Diedenhofen (Thionville) geschwankt; die Eroberung von Landau hielt man wegen seiner vorgeschobenen Lage inmitten deutschen Landes für leichter durchführbar, während die Einnahme von Diedenhofen den Weg ins Innere Frankreichs öffnen würde. Den Ausschlag gab schließlich der Markgraf von Baden, der sich für eine Belagerung von Landau aussprach und sein Votum wie folgt begründete: „(…) und diese Festung Landau nicht allein der wahre Schlüssel ist, ferner in das Elsaß oder in die Saar zu penetrieren, sondern sich auch darin dermalen fast alle feindliche Artillerie und alle Vorräte, so zur Defensive hiesiger Landen und zur Kampagne hätte dienen sollen, zu ihrem höchsten Nachteil, Schaden und Ungelegenheit befindet, und sonsten dieser Ort ein solcher Posto ist, der ein großes Stück Land bedeckt und auch dergestalten gelegen, daß er für einen place d’armes zur Manutenierung der Quartiere und Stabilierung der Magazine, auch übrigen Requisiten, nicht gelegener sein könnte, zu geschweigen der großen Artillerie, so Seiner Kaiserlichen Majestät bei Eroberung dieser Festung zukommen wird und hiernächst zur ferneren Operation gebraucht werden kann.
Am 20. April überschritten die Reichstruppen den Rhein bei Speyer und rückten bis zur Lauter vor. Durch diese Truppenbewegungen wurde die aus 15.000 Mann Infanterie und 5.000 Reitern bestehende französische Elsassarmee unter Marschall Catinat von Landau abgeschnitten. Bereits vier Tage später unternahm der „Türkenlouis“ mit seinem Stab und seinen Ingenieuren den ersten Erkundungsritt um die ganze Festung und begab sich dann in das kaiserliche Hauptquartier im 15 km südöstlich gelegenen Kandel. Von hier aus organisierte er die weitere Einschließung der Festung, indem er die westlich Landaus gelegenen Orte besetzen ließ, um französische Verstärkungen aus den Vogesen zu verhindern.
Die Vorbereitungen der Kaiserlichen blieben natürlich nicht unbemerkt. Für den Gouverneur der Festung Landau, General Mélac, war es mehr als deutlich, dass er sich auf eine baldige Belagerung einzustellen hatte; angesichts der noch nicht erfolgten offiziellen Kriegserklärung durfte er aber nicht als erster mit den Feindseligkeiten beginnen. Doch auch ohne solche Formalitäten nahmen die Scharmützel von beiden Seiten derart zu, dass spätestens Ende Mai von einem regelrechten Kleinkrieg gesprochen werden konnte. Sichtbarstes Zeichen dieser neuen Qualität der Kriegsführung war die Verlegung des kaiserlichen Hauptquartiers von Kandel nach Arzheim am 15. Juni. Ende Juli umfasste die Belagerungsarmee schließlich 30.000 Mann Infanterie und 10.900 Kavalleristen. Den größten Teil dieser Truppen stellte der Kaiser. Von seinen deutschen Verbündeten waren die Kurpfalz und der Bischof von Würzburg mit ansehnlichen Kontingenten vertreten; es folgten der fränkische und der schwäbische Reichskreis, die Kur- und Oberrheiner, Mainzer, Trierer, Ansbacher, Bayreuther, Öttinger, Württemberger und weitere Reichsstände. Die Belagerungsartillerie traf erst nach und nach ein.

Die erste Belagerung Landaus durch die Kaiserlichen 1702. Kupferstich von G. Bodenehr, 1702. Anders als das Umland, die Geschützbatterien und die Personen im Vordergrund wird die belagerte Festung im Grundriss dargestellt.

In der Festung bestand die Garnison aus 3.500 Mann Infanterie und Artillerie sowie 240 Mann Kavallerie. Marschall Catinat hatte auf Mélacs Bitten um Verstärkung hin lediglich ein einziges Bataillon königliche Artillerie von Weißenburg aus in das bedrohte Landau geschickt. Bereits das ungleiche Verhältnis der Kräfte macht deutlich, dass sich die Festung aus eigener Kraft nur eine bestimmte Zeit lang halten konnte; einzig ein erfolgreicher Entsatz von außen konnte ihren Fall verhindern. Diese Hilfe war der Kommandeur der Elsassarmee jedoch trotz entsprechender Aufforderungen aus Versailles nicht zu gewähren bereit, da er Landau von vorneherein als verloren ansah.
Der auf sich allein gestellte Mélac tat freilich alles, um den Kaiserlichen ihre Aufgabe möglichst zu erschweren. Wo es notwendig war, ließ er die Festungswerke ausbessern und verstärken; außerdem wurden vor den besonders gefährdeten Abschnitten der Festung mehrere starke Lunetten errichtet, Erdwerke, die den Angriff weiter von der eigentlichen Umfassung abhalten sollten. Auch an Geschützen mangelte es den Verteidigern nicht: Die Festungswerke waren mit 86 Kanonen und 24 Mörsern gut bestückt. Rücksichtslos ließ der Gouverneur alles, was in der näheren Umgebung noch an Lebensmitteln aufzutreiben war, in die Stadt schaffen. Den Schaden hatten die Bewohner der umliegenden Dörfer, die vollständig ausgeplündert wurden; was die Franzosen übrigließen, nahmen später die Kaiserlichen. Die Bürger erhielten Befehl, sich für drei Monate zu verproviantieren. Darüber hinaus wurden sie zu Frondiensten verpflichtet und mussten tatkräftig mithelfen, die Festung in Verteidigungszustand zu versetzen, so beispielsweise bei der Zerstörung ihrer eigenen, rund um das Fort gelegenen Weinberge, die dem Feind eine unbemerkte Annäherung hätten erleichtern können.
Am 16. Juni hatte die kaiserliche Armee die Festung von allen Seiten eingeschlossen, und sobald der Aufmarsch beendet war, begannen die Belagerungsarbeiten. Die Pioniere traten in Tätigkeit, die Annäherung an die Festungswerke durch Laufgräben und Parallelen wurde eingeleitet. Die Belagerer eröffneten gleichzeitig drei getrennte Angriffe auf die Festung. Der Hauptangriff richtete sich gegen die Südfront rechts des Französischen Tors; diese Arbeiten leitete der Markgraf von Baden persönlich. Der zweite Angriff galt den von Mélac neu errichteten Werken am Queichausfluss, der dritte richtete sich gegen das Fort.
Zum großen Erstaunen der Verteidiger kamen die Angreifer aber nur langsam voran. Die kaiserlichen Ingenieure waren belagerungstechnisch nicht auf der Höhe der Zeit; sie brachten eine veraltete Angriffsmethode zur Anwendung, die üblich gewesen war, bevor Vauban bei seinen Belagerungen gezeigt hatte, wie der Angriff durch die einfache Anlage dreier Parallelen und in Zickzackform vorrückender Laufgräben beschleunigt werden konnte. Die Kaiserlichen dagegen führten Laufgräben gegen jedes einzelne angegriffene Werk, was natürlich ein Vielfaches an Erdbewegungen erforderte. Auch zeigten sich die Belagerer übervorsichtig: Ihr Verfahren, neben und zwischen den Laufgräben zahlreiche Erdwerke (Redouten) zum Schutz vor Ausfällen zu errichten, war höchst zeitraubend. Dazu kam noch, dass die Laufgräben außerordentlich breit und tief angelegt werden mussten, damit die kaiserlichen Generale den Fortgang der Arbeiten zu Pferd oder sogar mit dem Wagen inspizieren konnten.
In starkem Gegensatz zur Behäbigkeit und Ineffizienz der Angreifer stand die rastlose Tätigkeit der Verteidiger. Mélac forderte von seinen Truppen bedingungslosen Einsatz; obwohl bereits im achten Lebensjahrzehnt stehend, gönnte er auch sich selbst kaum eine Ruhepause und ging mit gutem Beispiel voran. Zu Defensivmaßnahmen wie der Verstärkung des Gedeckten Weges mit einer zweiten Reihe von Palisaden wurden auch die Bürger herangezogen. Darüber hinaus unternahmen die Franzosen immer wieder Ausfälle, die beiden Seiten Verluste brachten, den Fortgang der Belagerungsarbeiten aber nicht ernsthaft stören konnten. Für den Gouverneur kam es in erster Linie darauf an, Zeit zu gewinnen; er rechnete fest damit, dass Marschall Catinat der belagerten Festung früher oder später Entsatz bringen würde.
Anfang Juli hatten die Kaiserlichen ihre Artillerieeinheiten soweit postiert, dass sie mit der eigentlichen Beschießung beginnen konnten. Ab dem 7. Juli, dem Tag der ersten Bombardierung, sind dann auch in den Kirchenbüchern die ersten Opfer unter der Zivilbevölkerung aufgeführt. Wie viele es genau waren, lässt sich nicht mehr ermitteln, da nur der protestantische Pfarrer Näheres zu den Todesumständen notierte. Mitte Juli verfügten die Angreifer schließlich über 114 Kanonen und 46 Mörser, deren zerstörerische Wirkung noch dadurch gesteigert wurde, dass die Festung mit dem Fortschreiten der Belagerungsarbeiten immer enger eingeschnürt wurde. Die am 16. Juli beim Hauptangriff eröffnete dritte Parallele war kaum noch 150 Schritte vom Glacis entfernt. Unter den Geschützen der Kaiserlichen befanden sich auch solche schwersten Kalibers, die bis zu zwei Zentner schwere Bomben schleuderten. Jetzt gab es in der Stadt keinen sicheren Ort mehr, denn diesen schweren Geschossen hielten auch die Kellergewölbe nicht mehr stand.
Zusätzlich motiviert wurden die Belagerer durch die am 27. Juli erfolgte Ankunft des römischen Königs Joseph vor der inzwischen hart bedrängten Festung. Der zukünftige Kaiser des Heiligen Römischen Reiches reiste mit einem etwa 400 Personen zählenden Gefolge; zum Tross gehörten 77 Kutschen und Wagen, 192 Pferde und 32 Berittene. Zum Einsatz kam dabei auch eine neu konstruierte Kutsche, von der sich später der Name „Landauer“ ableiten sollte. Am Tag nach seinem Eintreffen übernahm der junge Erzherzog pro forma das Kommando über die am Rhein stehenden Truppen; die tatsächliche Leitung der Armee und auch der Belagerung blieb aber natürlich in den Händen des erfahrenen Feldherrn Ludwig Wilhelm von Baden. Die Ankunft des hohen Gastes wurde bald auch in der Festung bekannt, und Mélac ließ es sich nicht nehmen, daraufhin einen Offizier mit einem Trompeter ins kaiserliche Lager zu entsenden, der sich im Namen des französischen Gouverneurs nach dem Aufenthaltsort des Königs erkundigte, damit man das Feuer nach dieser Seite hin einstellen könne. Der Markgraf von Baden empfing den Offizier und dankte für die erwiesene Aufmerksamkeit, ließ Mélac aber antworten, er möge tun, was seine Soldatenpflicht erfordere.
Die enge Einschließung der belagerten Festung führte bald zu einer bedenklichen Verschlechterung der Versorgungslage. Lebensmittel aus der näheren Umgebung zu beschaffen, war jetzt nicht mehr möglich, und so wurde der Speiseplan für Besatzung und Zivilbevölkerung immer dürftiger und eintöniger; die Preise für Lebensmittel stiegen rasch. Milch, Eier und Geflügel waren überhaupt nicht mehr zu bekommen, an Fleisch und Salz herrschte großer Mangel. Einzig Mehl war noch in großen Mengen vorhanden, so dass der Volksmund die Situation schon kurz nach der Belagerung in dem geflügelten Wort zusammenfasste: „In der Belagerung von Landau tausendsiebenhundertundzwei, kaufte man dreißig Pfund Brot um ein Ei.“ Dieser Text war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf einer Steintafel an der heute noch bestehenden Gastwirtschaft „Zur Blum“ zu lesen. Verschärft wurde die Lage durch die Sommerhitze, die das Entstehen von Krankheiten in der eng umschlossenen Stadt begünstigte und dazu führte, dass fast alle Verwundungen tödlich verliefen.
Ein großes Problem war schließlich der in der Festung herrschende Geldmangel, denn angesichts erschwerter Bedingungen und hoher Verluste musste man die Truppen wenigstens regelmäßig bezahlen. Mélac griff daher zu einem drastischen Mittel: Im Namen des Königs erhob er bei der Landauer Bürgerschaft eine Zwangsanleihe von 12.000 Gulden oder 20.000 Livres, zu der jeder Bürger je nach seinem Vermögen zwischen 12 und 500 Gulden beizusteuern hatte. Als auch dieses Geld ausgegeben war, ließ der Gouverneur aus seinem silbernen Tafelgeschirr Notmünzen anfertigen, „Belagerungsklippen“, die heute als numismatische Kostbarkeiten gelten.

Notmünze des Generals Mélac zu 4 Livres, 1702. Die aus dem Silbergeschirr des Generals gefertigten „Belagerungsklippen“ tragen das Wappen des Münzherrn; neben dem Nennwert wird auch der Prägeort angegeben (LANDAV. 1702).

Anfang September nahte das Ende der Belagerung. In der Festung war die Zahl der noch kampffähigen Männer so sehr zusammengeschmolzen, dass Mélac sich dazu entschließen musste, das Fort zu räumen. Seine noch etwa 800 Mann zählende Besatzung sollte die Südfront verstärken, die durch das Feuer der Kaiserlichen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war. In der Nacht vom 5. auf den 6. September zogen sich die im Fort liegenden Truppen mit Geschützen, Waffen und Ausrüstung geordnet über die Holzbrücke in die Stadt zurück. Als die Kaiserlichen das Kronwerk in der darauffolgenden Nacht mit starken Kräften stürmten, fanden sie es verlassen; die wenigen Wachen, die von den Franzosen zurückgelassen worden waren, hatten sich mit Beginn des Sturmangriffs befehlsgemäß in die schützende Festung zurückgezogen. Die Belagerer hingegen verbauten sofort Artillerie auf dem stadtseitigen Hang und begannen mit dem Beschuss der Unterstadt.
In der Festung selbst sah es zu diesem Zeitpunkt trostlos aus. Die Werke waren an zahlreichen Stellen zerschossen, und das ständig in den Graben stürzende Mauerwerk drohte diesen auszufüllen. Von den ursprünglich 3.500 Soldaten der Garnison waren 900 tot, 800 lagen verwundet und krank in den Spitälern. Die Pferde waren fast alle aufgegessen, die Lebensmittel mit Ausnahme des Mehls erschöpft und die gesamte Munition verbraucht. Drei Monate lang war ein großer Teil der Truppen ununterbrochen im Freien gewesen und nicht aus den Kleidern gekommen; auch die noch „Gesunden“ waren am Ende ihrer Kraft. Noch schlechter ging es den unglücklichen Stadtbewohnern; verlässliche Zahlen fehlen zwar, doch Hunger, Krankheit und die Bomben der Kaiserlichen hatten auch unter ihnen zahlreiche Opfer gefordert.
Damit war Mélac mit seinen Verteidigungsmitteln am Ende. Da die Stadt und Festung Landau nicht mehr länger zu halten war, musste er unverzüglich kapitulieren, um der verbliebenen Garnison die Kriegsgefangenschaft zu ersparen und sie so seinem König zu erhalten. Am 9. September rief er daher einen Kriegsrat zusammen, der unter seinem Vorsitz nach 85 Tagen der völligen Einschließung und 140 Tagen der Belagerung die Kapitulation beschloss. Ein Vertreter der Bürgerschaft war dabei selbstredend nicht zugegen. Um die Mittagszeit wurde die weiße Fahne in der Bresche des Hauptwalls aufgezogen, während der Tambour auf dem Wall Chamade schlug. Von der Brüstung einer der Breschbatterien des Hauptangriffs aus nahmen die kaiserlichen Generale Herberstein und Daun den Antrag auf Kapitulation entgegen, den ihnen ein französischer Major vom gegenüberliegenden Ravelin aus mündlich übermittelte. Über das von Mélac verfasste Kapitulationsangebot wurde die ganze Nacht verhandelt; schließlich nahm der Markgraf von Baden die Vorschläge im Wesentlichen an. Abgesehen von den großzügigen Bedingungen für die französische Garnison enthielt der Vertrag auch Passagen, die für die Bürgerschaft von Wichtigkeit waren: Die während der Belagerung erhobene Zwangsanleihe und die Schulden der Offiziere sollten zurückgezahlt werden. Für die großen Lieferungen jedoch, die die Franzosen von der Stadt und den Bürgern an Wein, Fleisch und Holz erhalten hatten, wurde ebenso wie für die Zerstörung bürgerlichen Eigentums während der Belagerung ausdrücklich jeder Anspruch ausgeschlossen.
Am 12. September verließ die marschfähige Garnison mit den Leichtverwundeten, dem ganzen Gepäck und dem größten Teil der Artillerie die Festung, um über Weißenburg und Hagenau den Weg nach Straßburg anzutreten. Außerhalb der Stadt, wo König Joseph die französischen Truppen an sich vorbeiziehen ließ, wurde General Mélac kurz von den Siegern empfangen. Bei dieser Gelegenheit konnte der französische Kommandant dem Habsburger und seinem Feldherrn zur Einnahme der Festung gratulieren.

„Die von Ihro Römisch Königl: Maijestät Iosepho I. besiegte Vestung Landau und der darauf erfolgte Abzug der Französischen Besatzung.“ Der 1702 entstandene Kupferstich liegt in zwei Versionen vor: Er zeigt eigentlich den Auszug Mélacs nach der ersten Belagerung, wurde aber 1704 durch Änderung des Datums und einiger Namen „aktualisiert“.

Der Fall von Landau wurde in Deutschland in den größeren Städten propagandistisch vielfältig ausgewertet. Immerhin war es der erste Feldzug des erst 24-jährigen Königs Joseph gewesen, und eine der modernsten französischen Festungen war erobert worden. Darauf nahm auch eine aus diesem Anlass geprägte Medaille Bezug, deren lateinische Umschrift in einer zeitgenössischen Flugschrift ins Deutsche übersetzt wurde: „Die Stadt, die niemand weichen sollt / Wich doch dem großen Leopold / Durch Josephs Arm und Kriegesheer / Hinfüro weicht sie keinem mehr.“ Vor allem in der Hauptstadt Wien wurde die Einnahme der Festung nach Josephs Rückkehr gebührend gefeiert. In Anwesenheit von Kaiser Leopold und des gesamten Hofstaates fand ein feierliches Te Deum statt, und am Abend wurde die ganze Stadt festlich illuminiert.
Im Ratsprotokoll der Stadt Landau dagegen wurde der Herrschaftswechsel mit den folgenden schlichten Worten vermerkt: „Alldieweil dem Allerhöchsten Gott durch seinen allweisen Ratschluß es also gefallen, daß nach ausgestandener langwieriger Bloquier-, Belager- und Bombardierung dieser Stadt, dieselbe unter Ihro Majestät des Kaisers und des heiligen Reichs Jurisdiktion gekommen.“
Mit dem Verlust der wichtigen Festung Landau fanden sich die Franzosen natürlich nicht ab. Der allzu zögerliche Catinat musste den Oberbefehl über die Rheinarmee abgeben und wurde durch den tatkräftigen Villars ersetzt, zu dem im April 1703 von der Mosel her noch weitere Verbände unter dem ebenso energischen Marschall Tallard stießen. Im Juni durchbrachen die Franzosen die von Reichstruppen nur schwach besetzten Weißenburger Linien, wandten sich dann aber zunächst gegen die Festung Altbreisach (Breisgau). Als diese am 6. September nach nur zweiwöchiger Belagerung überraschend schnell kapitulierte, waren die Verbindungswege durch den Schwarzwald zum bayerischen Verbündeten gesichert, und Tallard konnte darangehen, den 1702 verlorenen östlichsten Vorposten Frankreichs zurückzuerobern.
Dazu standen ihm ganz andere Ressourcen zur Verfügung als dem Markgrafen von Baden im Jahr zuvor. Die vielfältigen Hemmnisse, die den kaiserlichen Feldherren das Kriegführen erschwerten, gab es auf französischer Seite nicht; Versorgungsschwierigkeiten, Geschützmangel und drückende Geldsorgen waren in der modernen, gut ausgestatteten und effizient organisierten Armee Ludwigs XIV. unbekannt. In Straßburg, dem wichtigsten Magazinplatz am Oberrhein, wurde der Belagerungspark zusammengestellt, und vollständig ausgerüstet rückte die französische Armee nach Landau ab.
Die seit einem Jahr in kaiserlicher Hand befindliche Festung war auf die bevorstehende Belagerung nur unzureichend vorbereitet. Ihr Gouverneur, Feldmarschallleutnant Graf Friesen, war zwar ein erfahrener und tatkräftiger Militär, doch die Zeit hatte nicht ausgereicht, die im Vorjahr schwer beschädigten Werke wieder instandzusetzen; an vielen Stellen mussten Faschinenwände das Mauerwerk ersetzen. Immerhin hatte man die umfangreichen Angriffsarbeiten aus der letzten Belagerung, die Redouten, Circumvallationslinien, Parallelen und Laufgräben eingeebnet bzw. aufgefüllt. Die vorhandenen Lebensmittel reichten für zwei Monate, die Vorräte an Pulver und Blei waren ungenügend. Für Friesen kam alles darauf an, Zeit zu gewinnen, denn er wusste, dass ein starkes Entsatzheer vom holländischen Kriegsschauplatz an den Oberrhein unterwegs war, das dem belagerten Landau die Rettung bringen würde.
Der französische Angriff unterschied sich von dem der Kaiserlichen im Jahr vorher vor allem durch seine Schnelligkeit. Am 13. Oktober hatten die Belagerer die Festung eingeschlossen, am 17. eröffneten sie bereits die erste Parallele, und zwar vollständig im Bereich der Festungsgeschütze, nur knapp 300 m von den Vorsprüngen des Gedeckten Weges entfernt. Die Kaiserlichen hatten ihre Arbeiten 1702 in der doppelten Entfernung begonnen. Tallard wollte die Festung in möglichst kurzer Zeit erobern und war bereit, dafür auch hohe Verluste in Kauf zu nehmen.
Gemäß dem von Vauban, dem Erbauer der Festung, ausgearbeiteten Plan richteten die Franzosen ihren Angriff einzig gegen die Südfront, die bereits im Vorjahr den Hauptangriff der Kaiserlichen zu bestehen gehabt hatte. Schon am 23. Oktober, zehn Tage nach Beginn der Belagerung, nahmen sie die Lunette Mélac im Sturm. Von nun an lagen das Ravelin Nr. 8 am Französischen Tor und die beiden benachbarten Contregarden unter dem Dauerfeuer der französischen Belagerungsartillerie. Am 27. Oktober mussten die Verteidiger den Gedeckten Weg räumen; um die übrigen Außenwerke zu schützen, ließ Friesen die Schleusen ziehen und den Hauptgraben fluten.
Das hielt die Franzosen aber nicht davon ab, unverzüglich mit der Herstellung der Grabenübergänge zu beginnen. Zu diesem Zweck wurden mehrere schwere Wagen, ferner Sandsäcke und mit Steinen beschwerte Faschinen im Graben versenkt und auf diese Weise tatsächlich ein breiter Übergang gewonnen, der mit Brustwehren aus Erdsäcken und Schanzkörben gegen das Feuer der seitlich liegenden Werke gesichert wurde.
Sobald der Grabenübergang fertiggestellt war, erhielt General Laubanie Befehl, das Ravelin zu stürmen. Am 4. November gegen fünf Uhr morgens, noch bei völliger Dunkelheit, führte er drei Grenadierkompanien zum Sturmangriff vor. Dreimal drangen die Franzosen durch die Bresche in das Innere des Werkes vor, und dreimal wurden sie unter großen Verlusten wieder hinausgeworfen. Als Laubanie, durch frische Kompanien verstärkt, ein viertes Mal zum Sturm auf das Ravelin ansetzte, traf die Verteidiger ein schreckliches Missgeschick. Der im Ravelin kommandierende Oberstleutnant hatte vom Mineur die Auskunft erhalten, dass die große, unterhalb des Werkes befindliche Mine nach außen schlagen würde. Er nahm daher die Besatzung von den Brustwehren in das Innere zurück und ließ die Mine zünden, als die Franzosen heranstürmten. Die schwer geladene Mine schlug jedoch nach innen, zerstörte das halbe Werk und begrub den größten Teil seiner Verteidiger, während die übrigen in den Graben geschleudert wurden und dort ertranken. Nur wenige kamen mit dem Leben davon. Jetzt nahmen die Angreifer das verlassene Werk oder vielmehr dessen Trümmer in Besitz und standen damit unmittelbar vor dem Hauptwall.

Die Aufnahme zeigt einen Abschnitt von Reduit 13 (heute etwa Kreuzung Ostbahnstraße/Ostring). Da auch Personen zu sehen sind, vermittelt sie einen Eindruck von den Dimensionen der in nur drei Jahren Bauzeit aufgeführten Festungswerke.

Die Lage der Verteidiger wurde immer bedenklicher, doch die Nachricht vom Herannahen des Entsatzheeres ließ sie ihre Anstrengungen noch einmal verdoppeln. Tatsächlich war die Situation für Marschall Tallard äußerst gefährlich: Er erwartete zwar ebenfalls Verstärkungen, musste aber befürchten, vor deren Ankunft von dem kaiserlichen Entsatzheer angegriffen zu werden. Die Belagerung konnte dann mit einem Schlag vorbei sein.
Da beschloss Tallard, den Angriff der Kaiserlichen nicht abzuwarten, sondern seinerseits gegen das am Speyerbach lagernde feindliche Heer offensiv zu werden. Am 14. November abends verließ er mit 15.000 Soldaten in aller Stille das Lager vor Landau; nur 5.000 Mann ließ er zur Aufrechterhaltung der Belagerung zurück. Verstärkt wurden seine Einheiten durch neunzehn Schwadronen Kavallerie und 800 Mann Infanterie, die der Generalleutnant Marquis de Pracontal von Kaiserslautern her in Eilmärschen herangeführt hatte.
Die Kommandeure des Entsatzheeres, der Graf von Nassau-Weilburg und der Erbprinz von Hessen-Kassel, glaubten die französischen Verstärkungen noch fern und rechneten auch nicht mit der Kühnheit Tallards. Diese Sorglosigkeit hatte katastrophale Folgen: Am 15. November wurden ihre Truppen, die den Namenstag des Kaisers feierten, vom französischen Angriff überrascht und vollständig geschlagen.
Mit der Niederlage am Speyerbach war auch das Schicksal der Festung Landau besiegelt. Ausgerechnet Graf Friesens Sohn, den die Franzosen gefangen genommen hatten, musste seinem Vater schon am folgenden Tag die Nachricht vom französischen Sieg und die schriftliche Aufforderung zur Kapitulation überbringen. Nach Lage der Dinge gab es dazu keine Alternative: Die Südfront der Festung lag in Trümmern, der Pulvervorrat war fast aufgebraucht, und jeden Moment musste man mit dem Generalsturm der Franzosen rechnen. Friesen ließ daher sofort nach Erhalt des Briefes die weiße Fahne aufziehen; nach anfänglicher Weigerung gewährte Tallard dem kaiserlichen Gouverneur ähnlich vorteilhafte Bedingungen, wie sie Mélac im Vorjahr bewilligt worden waren. Nach 30 Tagen Belagerung war Landau wieder in französischer Hand; am 17. November zog der neue Gouverneur, General Laubanie, durch das Deutsche Tor in die Stadt ein. Der knappe lateinische Vermerk im Ratsprotokoll lässt nicht erkennen, ob die Landauer den neuerlichen Herrschaftswechsel begrüßten oder bedauerten: „Coepit obsidio 2nd die 17. Octobr. et finit d. 15. Nov. 1703, et capitulatione facta, urbs rediit sub dominationem Regis Christianissimi.” (Die zweite Belagerung begann am 17. Oktober und endete am 15. November 1703, und nach geschehener Kapitulation kam die Stadt wieder unter die Herrschaft des Allerchristlichsten Königs zurück.)
Die Franzosen sollten nur ein knappes Jahr lang Herren der Festung bleiben. Im Sommer 1704 nahm der Krieg eine entscheidende Wendung, als Prinz Eugen und der Herzog von Marlborough in der Schlacht von Höchstädt an der Donau ein großes französisch-bayerisches Heer unter Kurfürst Max Emanuel und den Marschällen Tallard und Marsin vernichtend schlugen. Süddeutschland war damit für Ludwig XIV. verloren, und als die Reichstruppen am 2. September den Rhein überschritten, räumte Marschall Villeroy, der den Oberbefehl über die französischen Streitkräfte im Elsass übernommen hatte, auch die kurz zuvor bezogenen befestigten Stellungen entlang der Queich. Bis hinter die Weißenburger Linien zogen sich die französischen Truppen zurück und überließen die Festung Landau ihrem Schicksal.
Im Hauptquartier in Barbelroth, wo die drei Feldherren des Kaisers und seiner Verbündeten am 10. September zusammentrafen, fiel der Beschluss zur Belagerung; die Leitung übernahm wie 1702 der Markgraf von Baden, während Prinz Eugen und Marlborough die befestigten Lauterlinien besetzten, um die vor Landau stehenden Truppen gegen mögliche französische Entsatzversuche zu decken. Die Festung selbst wurde zunächst nur durch relativ schwache Kräfte blockiert; Ende September umfasste die Belagerungsarmee dann etwa 30.000 Mann.
Der Angriff richtete sich auch diesmal ausschließlich gegen die Südfront, deren im Vorjahr stark zerstörte Werke nur notdürftig ausgebessert worden waren. An drei Stellen gleichzeitig ging man gegen die Werke vor: Die erste, kaiserliche „Attacke“ unter dem Befehl des Feldmarschalls Freiherrn von Thüngen zielte auf die Redoute Mélac, in der Mitte standen die Reichskontingente unter Feldzeugmeister Graf Fürstenberg, während die linke, preußische Attacke von dem damals 28-jährigen Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, dem späteren „Alten Dessauer“ der Schlesischen Kriege, befehligt wurde. Am 22. September traf der römische König nach dreiwöchiger Reise vor der Festung ein; wie schon 1702 übernahm er den formalen Oberbefehl und unterstrich durch seine Anwesenheit die Bedeutung, die man der Einnahme Landaus am Wiener Kaiserhof beimaß.
Trotz der gewaltigen zahlenmäßigen Übermacht wurde die Belagerung des Jahres 1704 zu einem langwierigen und verlustreichen Unternehmen. Das lag vor allem daran, dass es den Angreifern wie zwei Jahre zuvor an Geschützen mangelte. Erst nach dem Fall von Ulm, wo sich der bei Höchstädt besiegte bayerische Kurfürst Max Emanuel verschanzt hatte, konnten sie in genügender Anzahl herangeführt werden. Große Schwierigkeiten bereitete auch die Versorgung des Belagerungsheeres mit Lebensmitteln; der pfälzische Kurfürst protestierte verständlicherweise dagegen, dass seine Untertanen im Umland der Festung ausgeplündert wurden, während seine Regimenter vor Landau im Kampf standen. Vor allem die Pferde sollen teilweise buchstäblich verhungert sein. Hinzu kam die im letzten Septemberdrittel herrschende Witterung; starke Regenfälle behinderten den Fortgang der Belagerungsarbeiten nicht unwesentlich.
Neben den genannten widrigen Umständen war es vor allem die Entschlossenheit der mit allem Notwendigen reichlich versehenen Verteidiger, die dem Markgrafen von Baden seine Aufgabe außerordentlich erschwerte. An der Spitze der etwa 5.000 Mann starken französischen Garnison stand mit Generalleutnant Graf Laubanie ein umsichtiger und tatkräftiger Offizier, der das Kommando auch nach einer schweren Verwundung nicht aus der Hand gab.
Aus französischer Sicht kam es darauf an, die Belagerer so lange wie möglich vor Landau festzuhalten. Weil die Eroberung der vorgeschobenen Festung starke Kräfte band und viel länger dauerte als erwartet, konnten die Verbündeten den bei Höchstädt errungenen Vorteil nicht ausnutzen. Die kaiserlichen Feldherren hätten Landau lieber blockiert, wozu eine geringe Truppenzahl ausgereicht hätte, und mit der freigewordenen Armee einen Vorstoß ins Innere Frankreichs unternommen; man musste jedoch Rücksicht nehmen auf die Generalstaaten der Niederlande, die Landau unbedingt erobert sehen wollten und von deren Unterstützung die kaiserliche Kriegführung abhängig war. Ludwig XIV. gewann dadurch wertvolle Zeit, die er nutzte, um neue Kräfte zu sammeln und auf dem norditalienischen Kriegsschauplatz wichtige Erfolge zu erzielen. Gegenüber Marschall Villeroy äußerte der König, dass er den Verlust der Festung zwar schmerzlich empfinden werde, dass ihm aber unter den obwaltenden Umständen nichts Angenehmeres habe widerfahren können, als dass seine Gegner sich vor Landau festgerannt hätten. Insofern war die Belagerung des Jahres 1704 im Rahmen des gesamten Kriegsverlaufs von besonderer Bedeutung.
Erst am 10. Oktober, fast einen Monat nach der Eröffnung der Laufgräben, gelang den kaiserlichen Grenadieren die Erstürmung der hartnäckig verteidigten Redoute Mélac. Jetzt begann der Kampf um den Gedeckten Weg, dessen Einnahme am 3. November erfolgte. Am 12. November, als der Bau der Grabenübergänge schon weit fortgeschritten war, forderte der Markgraf von Baden den französischen Gouverneur auf, die Festung zu übergeben, bevor er unter ihren Trümmern begraben werde. Laubanie, der bereits nach der Eroberung der Lunette Mélac ein Kapitulationsangebot zurückgewiesen hatte, ließ dem kaiserlichen Oberbefehlshaber ausrichten, dass er es als äußerst rühmenswert betrachten würde, wenn die von ihm verteidigte Festung zu seinem Grabdenkmal werden sollte; er wolle aber alle Kräfte aufbieten, um die Errichtung dieses Mausoleums so lange wie möglich hinauszuzögern.
Zu diesem Zeitpunkt war das Ende der Belagerung allerdings bereits absehbar. In den folgenden Tagen gelang es den Angreifern, sich in den Außenwerken festzusetzen; die Garnison war auf nur noch etwa 1.500 kampffähige Soldaten zusammengeschmolzen, beiderseits des Französischen Tores glich der Hauptwall einem Trümmerhaufen, und der schmale innere Graben war durch eingestürztes Mauerwerk am Fuße der Breschen nahezu verfüllt. Unter diesen Umständen hatte Laubanie keinerlei Aussichten, dem von den Belagerern auf den 24. November festgesetzten Generalsturm wirksam zu begegnen. Damit die Garnison nicht in Kriegsgefangenschaft gerate, ließ er daher die weiße Fahne aufziehen. Die Übergabeverhandlungen konnten rasch abgeschlossen werden; entgegen ihren ursprünglichen Absichten sahen König Joseph und der Markgraf von Baden schließlich von demütigenden Kapitulationsbedingungen ab und erkannten damit die militärische Leistung und standhafte Haltung der Verteidiger an.
Am 26. November 1704 zog die verbliebene französische Garnison aus Landau aus, und General Friesen, der die Festung ein Jahr zuvor an Laubanie übergeben hatte, trat zum zweiten Mal den Dienst als Gouverneur der Stadt an.
Im Ratsprotokoll findet sich zur dritten Belagerung ein Eintrag von lakonischer Kürze: „Coepit obsidio urbis tertia d. 9. Septembris et reddita urbs est d. 26. Novembris 1704.“ (Die dritte Belagerung der Stadt begann am 9. September und die Stadt wurde übergeben am 26. November 1704.)
Seit 1702 hatte Landau jedes Jahr eine Belagerung erlebt. Damit war es jetzt vorbei – vorläufig, wie sich zeigen sollte. Neun Jahre blieb Landau in deutscher Hand, und eine Zeitlang sah es so aus, als würde sich daran auch nichts mehr ändern. Allmählich zeigte sich auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen die Überlegenheit der Großen Allianz. 1706 schlug der Herzog von Marlborough den Marschall Villeroy bei Ramillies in den Niederlanden, während Prinz Eugen die Franzosen aus Norditalien hinauswarf. Zwei Jahre später siegten die beiden verbündeten Feldherren gemeinsam bei Oudenaarde und belagerten dann die nordfranzösische Festung Lille, die Ende Dezember 1708 fiel. Als zu den Niederlagen noch ein außerordentlich harter Winter kam, der in ganz Frankreich zu Missernten und einer Hungersnot führte, bat Ludwig XIV. um Frieden.
Obwohl er umfassende Zugeständnisse machte und den Habsburger Karl als König von Spanien anerkennen wollte, scheiterten die Friedensverhandlungen der Jahre 1709 und 1710 an den überzogenen Forderungen der Alliierten. So sollte sich der „Sonnenkönig“ verpflichten, seinen Enkel nötigenfalls selbst mit bewaffneter Hand aus Spanien zu vertreiben. Selbst Liselotte von der Pfalz, die als Schwägerin des Königs am Versailler Hof lebte, war empört über die demütigenden Friedensbedingungen, die man dem geschlagenen Frankreich zumutete, und tatsächlich lehnte Ludwig XIV. diese schließlich ab.
Da trat eine entscheidende Wendung ein, als Joseph I., der 1702 und 1704 vor Landau den formalen Oberbefehl geführt hatte und 1705 Kaiser geworden war, am 17. April 1711 unerwartet starb. Da er keine Söhne hinterlassen hatte, fiel die Krone des Heiligen Römischen Reiches an seinen jüngeren Bruder, Erzherzog Karl, den Kandidaten für den spanischen Thron. Die Seemächte waren jedoch an der nun möglichen Erneuerung des habsburgischen Weltreiches, wie es zur Zeit Karls V. in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestanden hatte, ebenso wenig interessiert wie an einer bourbonischen Vorherrschaft in Europa und schlossen daher 1713 mit Ludwig XIV. den Frieden von Utrecht. Philipp V. wurde als König von Spanien anerkannt, die beiden bourbonischen Kronen durften aber nicht in einer Hand vereinigt werden.

„Plan de Landau avec tous les nouveaux ouvrages, comme le Roi l’a fait fortifier par Mr. le Maréchal de Vauban et ceux que les Allemands ont fait du depuis. (…) (Plan von Landau mit allen neuen Festungswerken, wie es der König durch Marschall Vauban hat befestigen lassen, und denjenigen, die die Deutschen hinzugefügt haben.) Kolorierter Kupferstich, 1713.

Kaiser und Reich standen nun allein gegen Frankreich, und der Oberrhein wurde sofort wieder zum Kriegsschauplatz. Die von Prinz Eugen befehligten Truppen auf dem rechten Rheinufer waren für ein offensives Vorgehen zu schwach; der kaiserliche Feldherr hoffte im Gegenteil, dass sich die Franzosen zunächst auf die Einnahme Landaus konzentrieren und durch die Belagerung dieser Festung eine Zeitlang vom Überschreiten des Stromes abgehalten würden. Er ließ daher ihre Garnison auf 8.000 Mann verstärken und reichlich Vorräte und Munition in die Stadt schaffen.
Anfang Juni 1713 besetzte die französische Armee das Gebiet zwischen Haardtgebirge und Rhein bis zur Höhe von Neustadt und schnitt Landau damit von allen Verbindungen ab. Am 8. Juni verabredeten die beiden Marschälle Villars und Bezons in Speyer, dass letzterer die Belagerung leiten sollte, während der rangältere Villars die Deckung des Unternehmens gegen die auf der anderen Rheinseite stehenden deutschen Verbände übernahm.
Die Südfront, die sich während der zurückliegenden Belagerungen als schwächste Seite der Festung erwiesen hatte, war seit 1711 durch Außenwerke und einen zweiten Ring von Lunetten verstärkt wurden. Trotzdem entschied sich Marschall Bezons dafür, die Festung nach bewährtem Muster abermals dort anzugreifen. Ähnlich wie die Kaiserlichen 1702 und 1704 ging er jedoch allzu umständlich und methodisch vor, so dass der Angriff nur langsam vorankam. Die Vorsicht war aber auch am Platze, denn der kaiserliche Gouverneur, Prinz Carl Alexander von Württemberg, war entschlossen, die Festung mit allen Mitteln so lange wie möglich zu verteidigen. Dabei bediente er sich von Anfang an auch unkonventioneller Mittel: Am 2. Juli unternahmen 200 Reiter, 400 Grenadiere und 600 Mann Infanterie unter dem Kommando des Obersten Porzia einen großen Ausfall. Dabei entwickelte sich eine regelrechte Schlacht, in der die Belagerer empfindliche Verluste erlitten; in seinem Tagebuch notiert Carl Alexander, dass die keineswegs schwache, sondern aus fünf Kompanien bestehende französische Laufgrabenwache überrascht und „in der ersten Furie fast völlig ruiniert wurde.“
Solche Aktionen konnten den Fortschritt des Angriffs freilich nur verzögern. Am 31. Juli, fünf Wochen nach Eröffnung der Laufgräben, befanden sich die neu errichteten Vorwerke in der Hand der Belagerer. Bei der Annäherung an den Gedeckten Weg erlitten die französischen Truppen dann allerdings durch die zahlreich vorhandenen Minen so große Verluste, dass Bezons sechs Wochen nach Beginn der Belagerung den Schwerpunkt des Angriffs auf das Reduit verlagerte, wo es wegen der nassen Bodenverhältnisse keine Minengänge gab.

Doppeldukat Carl Alexanders von Württemberg, 1713. Die Goldmünze zeigt in der Mitte das württembergische Wappen, in den Ecken das Monogramm des Münzherrn (CA), dazu die Devise PRO CAES:(are) & IMP(erio) („Für Kaiser und Reich“) sowie die Angabe BEL(agerung) LANDAU.

Nach wechselvollen Kämpfen konnten die Angreifer bis Mitte August den Gedeckten Weg von der Queich bis zum Französischen Tor einnehmen und mit der Herstellung von Grabenübergängen beginnen. In der Nacht vom 18. auf den 19. August gelang ihnen die Erstürmung der beiden dem Reduit vorgelagerten Contregarden rechts und links der Queich; damit war das Reduit dem Feuer der französischen Geschütze preisgegeben.
Innerhalb der Festung fehlte es zwar nicht an Soldaten, wohl aber an Waffen und Munition, seit das Zeughaus infolge Beschusses mit Brandbomben ein Raub der Flammen geworden war. Außerdem herrschte Geldmangel; schon gleich zu Beginn der Belagerung hatte Carl Alexander von Württemberg, ähnlich wie 1702 Mélac, aus seinem reichhaltigen Tafelsilber und einigen goldenen Gefäßen Belagerungsmünzen herstellen lassen, um seine Truppen weiterhin besolden zu können. Das so gewonnene Geld war aber bald ausgegeben, so dass der Gouverneur bei den Landauer Juden Simon Samuel und Koloman Levy einen Kredit über eine große Summe aufnehmen musste.
Am 19. August zog Carl Alexander die Konsequenz aus seiner misslichen Lage. Er berief den Kriegsrat ein, der sich einstimmig für die Kapitulation aussprach. Um vielleicht noch freien Abzug zu erhalten, ließ der kaiserliche Gouverneur unverzüglich die weiße Fahne hissen. Auf die Nachricht hin, dass die Franzosen diesmal auf der bedingungslosen Kapitulation bestanden, brach er die Verhandlungen zwar sofort ab, musste aber schon am folgenden Tag die Aussichtslosigkeit weiteren Widerstandes einsehen und sich ins Unvermeidliche fügen. Die noch fast 6.000 Mann umfassende Garnison wurde entwaffnet und nach Hagenau in Gefangenschaft geführt; nur die Offiziere durften ihren Degen behalten. Abermals rückten französische Truppen in Landau ein; neuer Gouverneur wurde Generalleutnant Marquis Biron. Der Stadtschreiber, der das Ergebnis der Kapitulation im Ratsprotokoll festhielt, beschränkte sich wiederum auf die bloßen Fakten: „Obsidio coepit 6. Juni 1713, perduravit ad 20. August 1713, qua die civitas reddita est Christianissimo Galliarum Regi.” (Die Belagerung begann am 6. Juni 1713, dauerte bis zum 20. August 1713, an welchem Tag die Stadt dem Allerchristlichsten König der Franzosen übergeben worden ist.)
Während der Utrechter Friedensverhandlungen hatte Ludwig XIV. noch die Rückgabe Landaus an das Reich in Aussicht gestellt. Jetzt, da sich die Stadt nach erfolgter Belagerung und Einnahme wieder in französischer Hand befand, konnte davon keine Rede mehr sein; mit dem am 7. März 1714 zwischen dem Kaiser und Frankreich geschlossenen Frieden von Rastatt begann endgültig die ununterbrochene französische Phase der Stadtgeschichte, die bis 1816 dauern sollte.

Harald Bruckert 6.4.2018